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Einfluss sichtbar machen
Von der Struktur zur konkreten Praxis
Auf der Grundlage der diagnostischen Struktur lässt sich nun genauer betrachten, wie sich Partizipation im schulischen Alltag konkret zeigt.
Partizipation wird nicht abstrakt erlebt, sondern in konkreten Entscheidungssituationen. Erst wenn diese systematisch in den Blick genommen werden, wird sichtbar, wo und in welcher Form Beteiligung tatsächlich stattfindet.
Entscheidungen im schulischen Alltag
Im Schulalltag werden fortlaufend Entscheidungen getroffen, die für die Beteiligten unterschiedlich bedeutsam sind. Diese betreffen nicht nur den Unterricht, sondern den gesamten organisationalen Kontext von Schule.
Dazu gehören zum Beispiel Entscheidungen darüber,
- welche Inhalte und Ziele im Unterricht verfolgt werden und wie Lernen organisiert wird
- wie Leistungen bewertet und Rückmeldungen gestaltet werden
- wie Zusammenarbeit im Kollegium erfolgt und Abläufe organisiert sind
- welche Themen in der Schulentwicklung aufgegriffen und weiterverfolgt werden
- wie Zeitstrukturen gestaltet sind oder Ressourcen eingesetzt werden
Diese Beispiele verdeutlichen: Partizipation bezieht sich auf unterschiedliche Bereiche schulischen Handelns, die jeweils eigenen Logiken folgen. Sie kann in einem Bereich deutlich ausgeprägt sein und in einem anderen kaum eine Rolle spielen. Gerade diese Unterschiede bleiben im schulischen Alltag häufig unsichtbar.
Unterschiedliche Formen von Einfluss
Neben der Frage, worüber entschieden wird, ist entscheidend, wie Einfluss ausgeübt werden kann. Im schulischen Alltag lassen sich dabei unterschiedliche Formen unterscheiden:
- Selbstbestimmung: Entscheidungen können eigenständig getroffen werden
- Mitbestimmung: Perspektiven werden eingebracht und Entscheidungen gemeinsam ausgehandelt
- Fremdbestimmung: Entscheidungen werden ohne eigenen Einfluss getroffen
Diese Formen sind nicht als starre Kategorien zu verstehen, sondern beschreiben typische Muster, die je nach Situation variieren können.
Partizipation entsteht im Zusammenspiel
Partizipation ergibt sich aus der Kombination von Entscheidungsbereich und Einflussform.
So kann es beispielsweise sein, dass bei der Gestaltung von Unterricht Mitbestimmung möglich ist, während bei der Leistungsbewertung überwiegend fremdbestimmt entschieden wird. In anderen Bereichen, etwa bei organisatorischen Abläufen oder Ressourcenfragen, bestehen möglicherweise nur begrenzte Einflussmöglichkeiten.
Erst durch diese Kombination wird sichtbar, wie Partizipation im schulischen Alltag tatsächlich ausgestaltet ist. Unterschiede werden erkennbar, die in einer allgemeinen Betrachtung verborgen bleiben.
Unterschiedliche Perspektiven auf die gleiche Situation
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Partizipation nicht für alle Beteiligten gleich erlebt wird.
Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitung können die gleiche Entscheidungssituation unterschiedlich wahrnehmen. Während Lehrkräfte beispielsweise ein hohes Maß an Mitgestaltung sehen, können Schüler:innen ihre Einflussmöglichkeiten als deutlich geringer einschätzen.
Solche Unterschiede sind im schulischen Alltag nicht ungewöhnlich. Sie zeigen, dass Partizipation immer auch eine Frage der Perspektive ist und nicht allein aus formalen Zuständigkeiten abgeleitet werden kann.
Was dadurch sichtbar wird
Wenn Entscheidungsbereiche und Einflussformen systematisch betrachtet werden, entsteht ein differenziertes Bild:
- Es wird erkennbar, in welchen Bereichen Beteiligung bereits gelebt wird
- Es wird sichtbar, wo Einflussmöglichkeiten fehlen oder unklar sind
- Unterschiede zwischen Akteursgruppen treten hervor
- typische Muster und blinde Flecken werden erkennbar
Partizipation wird damit nicht länger nur allgemein beschrieben, sondern in ihrer konkreten Ausprägung nachvollziehbar.
Die Sichtbarmachung von Einfluss ist ein erster Schritt. Sie zeigt, wo Beteiligung stattfindet und wo nicht.
Damit stellt sich eine weiterführende Frage:
Warum ist Partizipation in manchen Bereichen möglich, während sie in anderen eingeschränkt bleibt?
Diese Frage führt zu den Bedingungen, unter denen Beteiligung entsteht oder begrenzt wird.
Wie sich diese Bedingungen systematisch analysieren lassen, zeigt die nächste Seite.